Die Jagd nach dem Millionenerbe

Johann Nikolaus Emmerich

Johann (John) Nikolaus Emmerich wanderte nach Amerika aus und gründete dort einen Pelzhandel. Es war das Ende des 18. Jahrhunderts. Sein Geschäftspartner war ein nicht geringerer als John Jacob Astor (der später als der reichste Mann der Welt tituliert werden sollte). Emmerich war sogar mit 2/3 am Grundkapital und am Ertrag der gemeinsamen Gesellschaft beteiligt. Laut dem abgeschlossenen Gesellschaftsvertrag sollten im Fall des Todes Emmerichs das ihm gehörige Kapital zunächst im Unternehmen verbleiben. Erst 90 später sollte das Kapital dann aufgeteilt werden auf die Erben Emmerichs zu 2/3 und denjenigen Astors zu 1/3. Ein Duplikat des Vertrages deponierte Emmerich in Den Haag.

Das Vermögen der Gesellschaft war durch den erfolgreichen Pelzhandel und durch Grundstücksgeschäfte vornehmlich in New York ins Unermessliche gewachsen. Ganz Brooklyn (New York) und große Landstriche in Pennsylvania sollen dazugehört haben. Die im November 1928 gegründete „Badische Erbschaftsvereinigung Emmerich“ warf der Milliardärsfamilie Astor vor, das Vermögen im Wert von damals ca. 175 Millionen Dollar unterschlagen zu haben.

Eigentlich waren bereits 1907 die 90 Jahre abgelaufen, aber das Testament und die Verträge waren nicht aufzufinden. Erst 1926 gelang es einer Nachfahrin Emmerichs die Dokumente aus Den Haag zu besorgen. Die Erbenvereinigung wuchs auf mehr als 1.100 Personen an.

Quelle: Berliner Tageblatt vom 8.6.1930

Quelle: Neue Badische Landeszeitung vom 15.8.1929

Quelle: Zeitung aus Karlsruhe, Redaktion Offenburg

Quelle: Zeitungsartikel ek.

Die Jäger des Millionenerbes

Das lag nicht zuletzt an Karl Hummel, einem Oberjustizinspektors i.R., und Georg Freund aus Groß-Umstadt. Karl Hummel warb mit folgendem Flyer für die Vertretung der möglichen Erben:

Auch Amalie Emerich, die Schwester von Erwin, unterzeichnete am 21.11.1929 eine Vollmacht.

Zwischen den Geschwistern war die Erbschaft häufiger ein Thema, so auch im folgenden Brief von Erwins Frau Anna an seine Schwester Amalie.

Im Zuge des Erbstreits machten sich etliche Personen Hoffnungen. Eine Krankenschwester soll es übertrieben haben und wurde zwischenzeitlich wegen Hochstapelei angeklagt. Ahnenforschung wurde populär. Formblätter für die Erforschung der Familien wurden angepreist.
Auch meine Emerich Vorfahren haben fleißig in allen Archiven nach Abstammungsnachweisen gesucht.

Teilweise versöhnliches Ende

Schließlich schloss der beklagte Vincent Astor einen Vergleich, in dem er sich bereit erklärte, jedem Nachkommen mindestens 5. Grades, der diese Verwandtschaft nachweist, mindestens 500.000 Reichsmark auszuzahlen. Letztlich waren es ca. 300 erbberechtigte Personen in ganz Europa, von denen es aber nicht alle schafften, dies rechtzeitig nachzuweisen.

Die Jagd nach dem Millionenerbe fand im Februar 1930 ihr Ende. Erwin Emerich und seine Verwandten gingen dabei leer aus.

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